Haartransplantation Ja oder Nein?
Haarexpertin Christina von der Chevallerie im Interview

Haartransplantationen werden immer beliebter. Nicht nur Männer, sondern zunehmend auch Frauen unterziehen sich einer Therapie gegen Haarausfall. Doch warum fallen uns die Haare aus, wie weit ist die Forschung und welche Alternativen stehen zur Verfügung? Wir sprachen mit Christina von der Chevallerie, Dermatologin und Expertin im Bereich der Haartransplantation. 

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Redaktion: Haartransplantation: Ein „alter Hut“ oder Thema für die Zukunft?

Christina von der Chevallerie: Die Zukunft liegt hoffentlich nicht im Reich der Baseballkappen oder, wie wir es immer häufiger beobachten, im Bereich der Kopfbedeckung für Damen. Viele Frauen sind sich inzwischen bewusst darüber geworden, dass man dem Haarverlust nach den Wechseljahren mit einem Haartransplantat aus dem Labor bekämpfen kann. In der Zukunft werden Biochemiker mit Hilfe von Stammzellen Haartransplantate herstellen, die dann eingesetzt werden können. Dies wird unter Umständen noch ein paar Jahre dauern, aber ich bin überzeugt davon, dass eben dies auf uns zukommen wird. Bis dahin werden die bisher gängigen Haartransplantationen und PRP bei Haarausfall weiterhin gute Dienste leisten.

Redaktion: Was für Menschen kommen zu Ihnen mit dem Wunsch, etwas gegen ihren Haarausfall zu tun?

Christina von der Chevallerie: Am ehesten die, die wissen, dass ihr Haarausfall nicht krankheitsbedingt ist, sondern ‚normal’ im Sinne hormoneller, genetischer, familiärer oder altersbedingter Ursachen. Menschen, die aufgrund einer Krankheit Haare verlieren, benötigen eine Behandlung gegen die Krankheit und keine Haartransplantation.

Redaktion: Sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen?

Christina von der Chevallerie: Nein, es sind auf jeden Fall eher die Herren der Schöpfung betroffen. Trotzdem hat sich in den letzten 7-10 Jahren die Einstellung geändert, Frauen müssten ‚männlichen’ Haarausfall einfach hinnehmen. Inzwischen kommen wesentlich mehr Frauen als in der Vergangenheit, um sich Haare transplantieren zu lassen.

Haarausfall Köln Düsseldorf NRW

Redaktion: Eine Glatze oder lichtes Haar sind ja nun – gesundheitlich gesehen – unbedenklich. Was also bewegt einen Patienten dazu, die Hilfe eines Mediziners in Anspruch zu nehmen?

Christina von der Chevallerie: Das sind dieselben Gründen, weswegen wir unser Haar waschen und bürsten und warum wir zum Friseur gehen: Reine Ästhetik. Uns treibt der Wunsch, so gut auszusehen wie möglich. Jeder hat ein Recht auf Selbstrespekt und eine angemessene ‚Haarpracht,’ mit der er oder sie sich wohl fühlt.  Natürlich gibt es auch andere Beweggründe, die wesentlich tiefgründiger sind. Haar, bzw. Haarverlust, hat großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen und auch darauf, wie wir von anderen geschätzt und gesehen werden.

Redaktion: Die Medien sind voll mit Angeboten, die Wunderheilung bei Haarausfall versprechen. Was steckt dahinter?
Christina von der Chevallerie: Wunderheilung ist ein wenig weithergeholt, aber eine PRP-Behandlung hilft vielen Patienten. PRP steht für Plättchenreiches Plasma und kann äußerst effizient sein. Die Stimulanz, auf Basis derer unser Körper sich ‚regeneriert’ liegt in diesen Plättchen. Wenn PRP in die Kopfhaut injiziert wird (natürlich unter lokaler Narkose), werden die Haarwurzeln in vielen Fällen dazu stimuliert, neue Haare zu produzieren. PRP ist inzwischen weitverbreitet im medzinischen und zahnmedizinischen Bereich, weil es die Selbstheilungskräfte animiert.

RedaktionGibt es Medikamente, die wirklich helfen?

Christina von der Chevallerie: Ja, es gibt Minoxidil. Das ist sogar rezeptfrei erhältlich. Leider wirkt es nur, solange man es auch benutzt. Setzt man das Medikament ab, fallen die Haare leider wieder aus. Das trifft indes auch auf eine PRP Behandlung zu.

RedaktionIm Falle einer operativen Behandlung, also einer Haarstransplantation, was genau wird gemacht?

Christina von der Chevallerie: So eine Frage kann detailliert nur in der Sprechstunde beantwortet werden. Es dauert ca. eine Stunde, bis man das Prozedere einigermaßen verständlich gemacht hat. Die OP wird unter lokaler Narkose durchgeführt und meine Patienten gehen nach der Behandlung nach Hause. Grob erklärt werden Haare aus dem Nackenbereich entnommen und dann vorsichtig dorthin verpflanzt, wo sie fehlen, also den Tonsurbereich oder die Geheimratsecken.

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RedaktionUnd fallen die Haare nicht irgendwann wieder aus?

Christina von der Chevallerie: Die Antwort ist nein. Eine operative Haartransplantation ist die einzige Möglichkeit, nicht dauerhaft Medikamente einzunehmen. Natürlich verlieren wir alle mit zunehmendem Alter Haarpigmente. Auch wird das Haar grau und die Haare am ganzen Körper werden dünner.

RedaktionSo ein Eingriff ist ja nicht ganz billig. Angebote aus Polen, der Türkei oder der tschechischen Republik locken Betroffene ins Ausland. Was spricht dafür und was spricht dagegen?

Christina von der Chevallerie: Ich denke, dass, wenn eine wie auch immer geartete OP zu dem Bruchteil des Preises angeboten wird, den sie zu Hause zahlen, sollte man dies zumindest in Erwägung ziehen. Wenn alles gut geht und man mit den Ergebnissen zufrieden ist hat man, zusätzlich zu den Ersparnissen, auf ganzer Linie gewonnen. Wenn es allerdings nicht gut geht und man mit den Ergebnissen nicht zufrieden ist, kann dies zum Problem werden und zusätzliche Kosten verursachen. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass in anderen Ländern nicht auch qualitativ hochwertig gearbeitet wird.

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RedaktionWas würden Sie jemandem raten, der jetzt gerade dieses Interview liest und an Haarausfall leidet?

Christina von der Chevallerie: Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Haarverlust mit einem Transplantat oder einer PRP-Behandlung therapierbar ist, sollte zunächst der Hausarzt konsultiert werden. Dort werden die Kosten für das Beratungsgespräch auch von den Kassen übernommen. Wenn man bemerkt, dass genetisch bedingter Haarausfall beginnt, kann man darüber nachdenken, Minoxidil (Ragaine) zu nehmen, da dies die billigste Variante ist. Wenn Sie sich aber nicht vorstellen können, für den Rest Ihres Lebens jeden Tag eine Lotion in ihre Kopfhaut einzumassieren, sollte auch eine operative Haartransplantation in Erwägung gezogen werden. Dazu sollte dann ein Spezialist aufgesucht werden. In meiner Sprechstunde in der Beethoven Klinik können wir detailliert besprechen, ob eine Haartransplantation oder PRP-Eigenbluttherapie für die Haare der richtige Weg ist.

 

Christina von der Chevallerie ist Fachärztin für Dermatologie und Allergologie. Sie gilt als ausgewiesene Expertin im Bereich der Haartransplantation. In der Beethoven Klinik in Köln berät und behandelt sie Betroffene. Auch in den Medien ist sie zu diesem Thema häufiger als Expertin in Erscheinung getreten.